Als Kaya ihre Heimatinsel verlässt, um zu beweisen, dass sie würdig ist, eine Erwachsene genannt zu werden, ahnt sie nicht, dass das Schicksal sie auf eine harte Probe stellen wird.  Denn der Kontinent ist in Aufruhr: Barbarenhorden verwüsten das Land, und die Reiche der Welt sind im Umsturz. Zusammen mit Tkemen, einem gefallenen Samurai, Elais, einer ausgestoßenen Elfenmagierin auf der Suche nach ihrer Bestimmung, und ihrem Jugendfreund Haku, der ihre Seelenverwandtschaft zu Tieren teilt, stößt Kaya ins Landesinnere vor, und die bunte Gruppe wird unversehens in ein tödliches Spiel verstrickt.

 

Wolfszeit - Bund der Verstoßenen ist voraussichtlich Anfang Juli erhältlich.

 

Leseprobe:

Die Straße war schon lange nicht mehr benutzt worden. Ein paar graue Pflastersteine, ihre Seiten zu ebenmäßig, um auf natürliche Weise geformt worden zu sein, ragten aus dem Schlamm, halb versunken, wie Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Es war eine der alten Straßen, mit Magie erbaut, damals, als Magie in ihrem Volk noch erlaubt gewesen war. Manchmal wünschte Elais sich, sie hätte in jener Zeit gelebt.

Doch ‚damals‘ war nicht mehr als eine Geschichte, die ihre Mutter ihr an langen Abenden erzählt hatte, wenn die Winterwinde die Äste der Bäume zum Schwanken brachten. Jetzt war die alte Straße kaum mehr als ein Pfad, dessen Wurzeln Elais zum Stolpern brachten und dessen Schmelzwasserbäche ihre Haut taub werden ließen. Die einzige Erinnerung daran, dass hier einstmals andere vor ihr gegangen waren, war ein einsamer Wegstein, halb verwittert und rau unter Elais’ Händen …

 

Die Helden

Kaya möchte vor allem eines: eine Kriegerin werden, deren Namen noch in Hunderten Jahren an den Lagerfeuern ihrer Heimat besungen werden wird. Dabei ahnt sie nicht, dass ihre naive Vorstellung eines Heldenlebens schon bald an der harten Realität zerschellen wird. Aber Kaya wäre nicht Kaya, wenn sie so einfach aufgeben würde. Fröhlich und unbeschwert steht sie jeder neuen Situation gegenüber – wobei ihre Naivität sie selbst und ihre Gefährten teilweise in ernste Schwierigkeiten bringt.

 

“Kaya spürte, wie ihre Augen feucht wurden und blinzelte heftig. Als eine Träne entkam, wischte sie sich mit dem Handrücken über die Wange und setzte sich auf. Sie würde nicht weinen. Sie war eine Kriegerin der Izahmir oder würde eine sein, wenn sie zurückkehrte. Dies war ihre Zeit, um große Taten zu vollbringen, die sich ihr Volk am Lagerfeuer erzählen würde, ihre Kinder und die nach ihnen, so lange, bis die Sterne verblassten und anderen Platz machten. Sie würde nicht zurückkehren, bevor sie sich nicht einen Namen unter den Menschen des Königreichs gemacht hatte. Dies war ihre Reise und sie gedachte, sie bis zum Ende zu gehen. Nur manchmal, in Nächten wie diesen, wenn die Einsamkeit übermächtig wurde und wie ein schmerzender Knoten in ihrer Brust saß, wünschte sie sich, nicht ganz alleine reisen zu müssen.”

Ein Nairi, der als Einziger seines Ordens die Wahrheit über den Mord an seinem Kaiser kennt und ins Exil gezwungen wurde. Ständig auf der Flucht vor seinem ehemals besten Freund, nun schlimmsten Feind, versucht Tkemen, militärische Unterstützung zu gewinnen, um einen würdigen Nachfolger des Kaisers auf den Jadethron zu bekommen. Was niemand ahnt, ist, dass Tkemen nicht nur auf der Flucht vor seinen Ordensbrüder ist – sondern auch vor einem dunklen Geheimnis.

 

“Es war nun zehn Winter her, dass er sie das letzte Mal gesehen hatte. Er dachte an ihr Gesicht, ihre sonnengebräunte, bronzefarbene Haut, ihr Lachen und den Blick, mit dem sie ihn angesehen hatte, als er den Hof seines Vaters verlassen hatte und an ihr vorbeigeritten war. Dieser Blick. Er hatte sich in Tkemens Herz gebohrt und saß nun dort wie ein Glassplitter, den er nicht mehr entfernen konnte. Du hast mich im Stich gelassen, schien er zu sagen. Ich habe dich geliebt.”

Elais hat nur ein einziges Ziel: den letzten Wunsch ihres Mentors zu erfüllen und Magie zu erlernen – auch wenn sie damit gegen die Gesetze ihres Volkes verstößt. Der Pfad, den sie eingeschlagen hat, ist kein einfacher: Sie muss nicht nur die Vorurteile ihres eigenen Volkes gegenüber Magie überwinden und den Hass, den die Menschen den Elfen entgegenbringen, sondern vor allem ihre eigenen Ängste.

 

"Sie hatte Angst. Sie hatte Angst vor dem, was vor ihr lag, vor dieser Straße, die sie werweißwohin führen würde, zu neuen Begegnungen mit anderen Menschen. Sie hatte Angst vor ihrem Ende, vor der Schule der Magier, in einer unbekannten Stadt voll fremder Leute. Aber wenn sie ehrlich war, dann war das, was ihr am meisten Angst einflößte, dieser winzige Moment, so kurz, dass es einfach sein würde, ihn in den Tagen, die da kommen würden, zu vergessen – der Moment, in dem sie keine Angst empfunden hatte, sondern nichts als weiße Wut und ein Gefühl des Triumphes.”

Haku ist wie Kaya von den Waldinseln im Süden, und wie der Wolf, sein Totemtier, das es nur im Hohen Norden und nicht in seiner Heimat gibt, ist Haku ein Außenseiter in seinem eigenen Volk.

Aber stille Wasser sind tief und Haku ist trotz seiner ruhigen Natur nicht zu unterschätzen.

 

“Haku wartete, bis die drei jungen Wölfe sich etwas abseits bei ihren anderen Geschwistern niedergelassen hatten und begonnen hatten, sich mit ihnen zu balgen. Sie waren zur Welt gekommen, kurz bevor er sich dem Rudel angeschlossen hatte, und waren wie seine eigenen Brüder und Schwestern.

»Ich werde das Rudel nun verlassen«, sagte er.”

 

Eine Halb-Myr und Tochter des Anführers der Diebesgilde ist Thea bereit, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Mehr als alles andere wünscht sie sich, seine Nachfolgerin zu werden und seinen Respekt zu gewinnen. Doch zwischen ihr und ihrem Vater steht der Geist ihrer toten Mutter.

 

"Manchmal fragte sich Thea, wieso ihr Vater einen solchen Widerwillen gegen sie hegte. Sie sah ihn nicht öfter als die anderen Diebe und wenn sie sich im selben Raum befanden und sein Blick auf sie fiel, geschah es für nie mehr als einen Augenblick. Dann glitt er weiter und richtete sich auf etwas, auf irgendetwas, einen Tisch, einen Stuhl, einen Kerzenhalter. Einen Stein. Als ob sie nicht da wäre, weniger wert als die Möbel, die sie umgaben. Einmal nur hatte sie seinen Blick auf sich gespürt und als sie den Kopf wandte, schnell, wie wenn man eine der schwarzen Eidechsen, die in den Gängen lebten, zu Gesicht bekommen wollte, bevor sie in die Schatten zurück huschten, waren seine Augen voller Schmerz gewesen. Es war ein Schmerz, der nicht ihr galt, soviel wusste Thea. In diesem Moment hatte sie sich gewünscht, ihre dunkle Haut abzuziehen, bis nur noch das nackte Fleisch zu sehen war und ihr schwarzes Haar auszureißen, Strähne für Strähne.”

Die Welt